“Soll ich meine Riester-Rente kündigen?”, diese Frage stellte mir neulich eine Freundin. Sie hatte den Vertrag während ihrer Ausbildung abgeschlossen und nun schon 7 Jahre eingezahlt. Momentan studiert sie und hat einen Nebenjob.

Mit dem Thema Versicherungen hatte ich mich bis dato nur grob auseinander gesetzt. Und überhaupt, geht es da nicht um ihre Zukunft? Soll ich etwas sagen und bin dann am Ende an ihrer Altersarmut Schuld? Puh! Hilft alles nichts, sagte ich zu mir und zu ihr: “Zeig mal die Verträge.” Dann kam sie mit einem riesigen Stapel von Papieren und ich war erstmal gut beschäftigt Versicherungsausdrücke ins Deutsche zu übersetzen. Besonders aber interessieren mich ja die Zahlen: Lohnt sich eine Riester-Rente? Hier meine Analyse.

Als meine Freundin den Vertrag der Riester-Rente abgeschlossen hatte, war sie 19 Jahre alt und hatte nach ihren Worten “keine Ahnung, was ihr da angedreht wurde”. Dabei klang alles erstmal sehr sinnvoll: Sie zahlt jeden Monat 10 € ein (den Mindestbetrag), macht im Jahr 120 € und bekommt dann vom Staat 154 € pro Jahr dazu (pro Kind gibt es nochmal 184 € oder 300 € dazu, aber sie ist kinderlos). Nicht schlecht, richtig? Aus 120 € mach 274 €, fast risikofrei. Das Geld wird dann angelegt, man kann verschiedene Risikostufen wählen und ihr wurden damals 4 % Rendite versprochen. Nicht übel, auch wenn man bei Sparzeiten von über 40 Jahren, wie bei den Riester-Verträgen, theoretisch mehr Risiko eingehen und damit höhere Renditen bekommen kann.

Meine Freundin hatte jetzt knapp 7 Jahre eingezahlt, insgesamt 720 € und hatte einen Guthabenstand von knapp 1400 € (fast doppelt so viel und eine Rendite von 13 % pro Jahr). Man könnte sich direkt freuen und sie zu der Entscheidung beglückwünschen, doch der Schein trügt:

1) Die staatliche Förderung in den 7 Jahren betrug ca. 1050 €. Das heißt, hätte der Staat ihr das Geld cash gegeben, wäre sie jetzt bei über 1.800 €, ganz ohne Anlage. Das liegt daran:
2) Die Gebühren der Versicherungsgesellschaft sind immens hoch. Im Durchschnitt hat meine Freundin jedes Jahr um die 100 € an Gebühren gezahlt! Das sind zwei Drittel der staatlichen Förderung.
3) Sie bekam auch eine Verzinsung. Zu Beginn war das nicht viel, aber tatsächlich um die 4 % (im 7. Jahr um die 40 €). Aber eben nicht ausreichend um die Gebühren zu decken.
4) Wenn sie jetzt kündigt, bekommt sie nicht einmal ihre 720 € zurück. Keine staatliche Förderung, keine Zinsen. Sondern so um die 500 €. Begründung: Kosten der Versicherungsgesellschaft (unter anderem für “Marketing”, das steht tatsächlich im Vertrag).
5) Wenn meine Freundin ihren ersten Vollzeitjob antritt, muss sie mindestens 4 % ihres Einkommens “riestern”. Die staatliche Förderung ist aber fix, d.h. jetzt bekommt sie mehr Förderung als sie einzahlt. Bald ist der Anteil der Förderung nur noch ein Bruchteil dessen, was sie einzahlt. Die Gebühren der Versicherungsgesellschaft bleiben jedoch.

Als mir das bewusst wurde, verstand ich, welch gutes Geschäft die Riester-Renten für die Versicherungsgesellschaften sind. Denn die bekommen ihre Gebühren von der staatlichen Förderung! Eigentlich sollte die Riester-Rente als Förderung zu privater Vorsorge motivieren. Aber tatsächlich versucht man die Einzahlungen möglichst gering zu halten um gerade so die staatliche Förderung zu bekommen, wovon sich dann die Versicherung einen ordentlichen Teil nimmt. Ziemlich dumm.

Meine Freundin hat jetzt ein Problem. Kündigt sie, bekommt sie nicht mal ihr eingezahltes Geld zurück. Das ist psychologisch schwierig, denn auf dem Papier hat sie ja jetzt schon über 13 % Rendite pro Jahr geschafft. Sie ist also gezwungen die nächsten 35 Jahre weiter einzuzahlen (vermutlich jedes Jahr mehr). Es fällt einem dann immer schwerer zu kündigen und man zahlt weiter ein. Am Ende wird man vermutlich weniger Geld raus haben, als wenn man das Geld selbst anlegt und auf die staatliche Förderung verzichtet, weil man die Gebühren spart und mehr als 4 % Rendite bekommen kann. Es ist auch besser, jederzeit auf sein Geld zugreifen zu können, was mit der Riester-Rente nicht geht. In meinem automatisiertem Chat erkläre ich dir, wie du das in deiner Situation am besten machst.

Zusammenfassung: Bei der Riester-Rente verdienen vor allem die Versicherungen. Der/die Dumme bist nicht nur du, sondern auch Vater Staat. Du bist mit dem Vertragsabschluss gezwungen 40 Jahre einzuzahlen und die Gebühren der Versicherungen zu akzeptieren. Ganz ehrlich. Mach das lieber nicht, sondern kümmer dich selbst um deine Altersvorsorge. Ich zeige dir wie.

Lieben Gruß,
Dein William