Ihr wisst ja, dass es mir ungeheuer wichtig ist, dass Menschen bei Finanzsachen optimal beraten sind. Ich habe mir das ja irgendwie zur Lebensaufgabe gemacht und schreibe deshalb Artikel in meinem Magazin, stelle Euch alle nötigen Informationen auf meiner Webseite zur Verfügung und versuche stetig den Finanzberatungsprozess zu verbessern.

Und trotzdem kaufen Leute noch immer Finanzprodukte, die sie nicht verstehen, nicht brauchen und mit zu hohen Gebühren. Es muss wohl an den geschickten Verkäufern liegen. Deswegen habe ich mich als angehender Investigativ-William für eine Stelle im Finanzvertrieb in einem Call-Center beworben. Der Vertrieb gehörte zu einer Direktbank-Tochter einer großen deutschen Bank, die versucht, ihre Kunden zu Kreditabschlüssen zu bewegen. Man hört ja so einiges darüber und ich wollte mir selbst ein Bild von der Kultur vor Ort machen.

Zugegeben, die Stelle, auf die ich mich beworben habe, hatte kein besonders hohes Anforderungsniveau. Egal ob versierter Bankkaufmann oder Quereinsteiger, jeder bekommt eine Chance. Wie mir der Personaler erklärte, haben die auch schon Leute eingestellt, die bisher nur Bockwürste verkauft haben. „Es geht nicht um das, was du gelernt hast, sondern das was du erreichen willst.“, sagt er zu mir. Wow, da hat wohl jemand zu viel Wolf of the Wallstreet geschaut. Herr Jordan Belfort (Name geändert) legt aber direkt nochmal nach: “Ich hoffe, du bist hierher gekommen, um Geld zu verdienen!” Ich hatte erwartet, dass wir uns mit einem kräftigen Brummen auf den Brustkorb schlagen und uns in eine ordentliche Verkaufsstimmung bringen, aber soweit kam es dann doch nicht.

Nun gut, so saßen wir da und das Gespräch verlief ok. Ich hab von mir erzählt, was ich so tue und woher mein Interesse für Finanzberatung kommt. Meine Antworten waren wohl zufriedenstellend, aber weckten auch kein besonders großes Interesse bei meinem Gegenüber. Ich dachte an den Wurstverkäufer und wie er wohl von sich überzeugt hat. Ich erzählte ihm, warum ich in diese Stadt gezogen bin und wo ich in 5 Jahren sein will. Typisches Bewerbungsgespräch halt. Aber die Situation wurde immer ungemütlicher, je mehr ich verstand, wen diese Bank eigentlich sucht. Herr Belfort, also der Personaler, fing an Witze über hochverschuldete Bankkunden zu machen, denen man dringend einen Kredit anbieten sollte, damit sie mal wieder in den Urlaub fliegen können. Er schmunzelte über meine Haltung zu Transparenz im Beratungsgespräch und er erwähnte, dass das höchste Ziel der Umsatz sei. Schließlich will man den Konkurrenten zeigen, wie man Finanzprodukte richtig verkauft. Wenn er dann nicht selbst das Gespräch beendet hätte, wäre ich vermutlich vorzeitig gegangen. Zur Verabschiedung meinte Herr Belfort noch, dass er sich bei mir meldet und mir einen schönen Tag wünscht. Ich denke, das war beides gelogen.

Also ging ich ein letztes Mal durch das kühle, graue Gebäude, an Menschen vorbei, die nicht lächelten. Es roch nach kaltem Kaffee und Nikotin. Ich war froh, dass es vorbei war.

Zur zweiten Runde wurde ich nicht eingeladen, vermutlich gab es bessere Kandidaten. Also so richtige Sales Typen, wie man sie braucht, wenn man ahnungslosen Sparern teure Finanzprodukte andrehen will. Diese Erfahrung hat mir nochmal gezeigt, warum es so wichtig ist, dass man Informationen zu Finanzthemen leicht, schnell und kostenlos zugänglich macht. Keiner sollte sein Erspartes gierigen Beratern anvertrauen müssen, die in erster Linie ihre eigenen Ziele erreichen wollen.

Wenn du Fragen zu Finanzthemen hast, kannst du gerne mit meinem Chatbot auf Facebook schreiben. Ich würde dir gerne helfen. Jetzt mit William chatten.

Liebe Grüße,
dein William.