Es ist gut, zu Dingen eine Meinung zu haben, das hat mir schon meine Mutter gesagt. Wieso mit der eigenen Meinung also nicht auch Geld verdienen? Zum Beispiel für bezahlte Online-Umfragen. Ich habe es ausprobiert und meine Erfahrungen kannst du hier lesen.

Insgesamt habe ich mich also bei vier Plattformen angemeldet (Valued Opinions, Opinion People, MySurvey und Toluna) und das lief eigentlich immer gleich ab:

Man meldet sich erstmal mit allen persönlichen Daten an. Aber nicht nur Name und E-Mail-Adresse, sondern auch Alter, Geschlecht, Beziehungsstatus und so weiter. Einfach alles halt. Macht aber auch Sinn, weil die Plattformen ja relevante Meinungen brauchen, damit sie von ihren Auftraggebern kassieren können. Ok, nach der Anmeldung kannst du zwischen den Bereichen “Umfragen” und “Punkte eintauschen” wählen. Denn für ausgefüllte Umfragen bekommst du Punkte, die du dann gegen Gutscheine (Amazon, H&M, etc.), Lose oder sogar Geld eintauschen kannst. Für eine Geldauszahlung musst du aber mindestens auf 10 € oder oft 20 € auf deinem User-Konto kommen. Mit deinen Punkten kannst du auch an Gewinnspielen teilnehmen oder Lose kaufen, um ein iPhone oder andere Dinge zu gewinnen. Das ist schon ziemlich verlockend, weil die Lose sehr billig zu sein scheinen.

Gut, jetzt aber zu meiner praktischen Erfahrung. Die meiste Zeit habe ich auf Toluna verbracht, da ich hier an den meisten Umfragen teilnehmen konnte. Denn ob du an Umfragen teilnehmen kannst, hängt von deinem Nutzerprofil ab. Beispiel: Vermutlich ist deine Meinung zu (Zahn-)Haftcreme irrelevant, wenn du gerade 25 Jahre alt bist und dich in deiner Freizeit nicht hobbymäßig prügelst. Daher musst du immer darauf warten, dass dir das Portal eine Umfrage vorschlägt, die zu dir passen könnte. Bei Toluna kannst du auch selber nach geeigneten Umfragen suchen. Allerdings kann es dabei passieren, dass du während der Umfrage rausfliegst, weil du eine “falsche” Antwort gegeben hast, selbst wenn du dich kurz vor Ende der Umfrage befindest und schon einige Zeit hinein investiert hast. Das ist mir einige Male passiert und ich habe mich extrem aufgeregt.

Aber gut, ich klicke als erstes auf das Thema “Lifestyle” und komme auf eine neue Seite, wo mir auch angezeigt wird, wie lange die Umfrage vermutlich dauern wird. Das ist optimistisch gerechnet, aber machbar. Nun gut, ich klicke auf “Start”. Erst nochmal ein paar Fragen zu mir beantworten und dann kommt die erste richtige Frage: “Haben Sie in den letzten Monaten eine Fertiggarage gebaut?” Ehrlich wie ich bin, beantworte ich die Frage mit nein und die Umfrage ist beendet. Toll! Im weiteren Test endeten 2 von 3 Umfragen abrupt, da ich die “falsche” Antwort gewählt habe. Das ist schon frustrierend. Um deine Aufmerksamkeit und deine Ernsthaftigkeit während der Umfragen zu überprüfen, werden immer wieder Testfragen (z.B.: “Klicken Sie auf die dritte Antwort.”) eingeworfen. Also einfach wild klicken funktioniert auch nicht. Hier muss man schon eine gewisse Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Ich habe an mehreren Umfragen teilgenommen, musste dazu Werbetexte für Geschirrspüler bewerten und Kommentare dazu schreiben. Oder Streamingdienste bewerten und dabei Fragen zu Filmen und Serien beantworten. Es war ok und trotzdem ist nach 20 Minuten die Luft raus.

Aber ganz im Ernst. Die Vergütung fällt sehr bescheiden aus. Für eine 30-minütige Umfrage bekomme ich im Schnitt 1 €, allerdings bin ich aus so vielen Umfragen rausgeflogen, dass ich lediglich 1,30 € pro Stunde verdienen konnte. Die Gutschreibung der verdienten Punkte dauert wiederum einige Tage. Auf den Auszahlungsbetrag von 10 € hinzuarbeiten, hatte ich keinen Bock. Aber es gibt ja noch Gifties. Gifties sind am Ende nichts anderes als Lose. Zur Auswahl stehen Lose für iPhones, MacBooks und so weiter. Ich habe mir insgesamt 5.200 Punkte verdient und mich dazu entschlossen alle Punkte für Lose einzutauschen.

Fazit: Ich habe alles verzockt und kein neues iPhone. Damit war zu rechnen. Es fühlt sich aber trotzdem wie Zeitverschwendung an. Bequem vom Sofa mit Online-Umfragen Geld verdienen ist möglich, bedarf aber mehr Engagement als das meine. Die Arbeit ist ziemlich stumpf und man langweilt sich. Die Aufmerksamkeit lässt schnell nach und wenn man aus einer Umfrage rausgeschmissen wird, weil man nicht die “richtige” Antwort gegeben hat, kommt man sich wirklich abgezogen vor. Außerdem ist mein E-Mail-Postfach seitdem randvoll mit Spam von den Umfrage-Plattformen, ob ich nicht an noch einer Umfrage teilnehmen will. Nein, das will ich nicht. Für mich war das keine erfolgreiche Erfahrung. Verbring deinen Samstag lieber mit guten Freunden, anstatt stumpfe Fragebögen zu beantworten. Das ist definitiv besser investierte Zeit.

Liebe Grüße,
dein William.