Gestern lief bei ZDFzoom die Reportage “In den Fängen der Abzocker”. Es geht darum, wie kriminelle Geschäftemacher jedes Jahr Anleger um Milliarden Euro bringen. Weil es schwierig ist, solche Praktiken durch Gesetze komplett zu verhindern, ist die Bildung der Anleger umso wichtiger.

Warum fallen immer wieder Leute auf solche Maschen herein? Meist ist es einfach Gier und das Versprechen von hohen Renditen: 20 %, 50 % oder sogar über 100 % pro Jahr. Der Ausblick auf aberwitzige Gewinne scheint den gesunden Menschenverstand überschreiben zu können.

Wer sich aber nicht täglich mit Finanzanlagen beschäftigt, kann nur schwer einschätzen, wie viel Zinsen realistisch sind und wie viel Risiko man mit bestimmten Anlagen eingeht. Vor allem, weil sich dieser Wert auch im Laufe der Zeit verändern kann (vor 20 Jahren gab’s auch noch über 4 % Zinsen aufs Sparbuch). Grundsätzlich gilt: Je mehr Zinsen, desto mehr Risiko. Risiko ist die Wahrscheinlichkeit von Verlusten. Daher muss Deutschland auch keine Zinsen für Kredite zahlen, während Griechenland 7,5 % Zinsen zahlt.

Hier eine Orientierungshilfe:

Schau welche Zinsen es für praktisch kein Risiko gibt, also den Tagesgeldzins. Der bewegt sich im Mittel gerade bei 0,2 - 0,3 %. Dann den Zinssatz für Anlagen mit viel Risiko. Hier wird es etwas schwieriger. Ich nehme dafür Aktien (Beteiligungen an Unternehmen). Vom DAX hat jeder schon mal etwas gehört. Das ist eine Zusammenstellung der 30 größten Unternehmen in Deutschland, deren Aktien man an der Börse handeln kann. Der DAX hat in den letzten 30 Jahren knapp 9 % Zinsen pro Jahr gebracht. Das heißt, die Aktien der größten Unternehmen in Deutschland haben im Schnitt 9 % an Zinsen eingebracht, manche mehr, andere weniger. Der DAX ist während der Finanzkrise Anfang 2008 innerhalb von einem Jahr um 50 % gefallen und hat erst Mitte 2013 seinen Wert von vor der Finanzkrise eingeholt. Die 9 % Zinsen sind Durchschnittswerte. Die Schwankungen der einzelnen Jahre können sehr extrem ausfallen. Für 9 % Rendite pro Jahr kann der Kurs also auch mal um 50 % in einem Jahr fallen. Das finde ich schon ziemlich viel Risiko. Unsere Spanne von kein Risiko bis risikoreich geht jetzt also von 0,2 % Zinsen bis 9 % Zinsen. Alles dazwischen ist vernünftig. Alles darüber kann möglich sein, aber nur mit dementsprechend hohem Risiko.

Sobald jemand von Renditen von über 10 % pro Jahr spricht, solltest du vorsichtig sein. Das schafft niemand, ohne entsprechend viel Risiko einzugehen (und sicher nicht die Person, die die Zeit hat zu dir nach Hause zu kommen). Wenn dir dann jemand noch erzählt, dass die Verzinsung garantiert ist, lauf so schnell du kannst und schau nicht zurück.

Ich persönlich finde es schade, dass viele Leute entweder in das eine Extrem (“mein Geld halte ich lieber in Bar”) oder direkt ins andere Extrem fallen (“wenn schon, dann über 10 % pro Jahr”). Wohlstand entwickelt der, der über viele Jahre sein Geld zu vernünftigen Zinsen von 4 - 7 % anlegt. Das Risiko ist überschaubar, aber der Zinseszinseffekt ist massiv. Mehr zu dieser “langweiligen Art des Anlegens” ein andermal.

Und merke dir: Je mehr Zinsen, desto mehr Risiko.

Lieben Gruß,
dein William.