Ach ja, der LBS-Werbespot zum Bausparvertrag. Lief andauernd während man eigentlich “Alarm für Cobra 11” gucken wollte und man in diesem Alter das Moped irgendwie wirklich noch cooler fand als einen Bausparvertrag. Heute, etwas mehr als 10 Jahre später, sehe ich das dann vielleicht doch anders.

Für alle, die den Clip nicht kennen, die Aussage noch einmal schnell auf den Punkt gebracht: Bausparen klingt uncool, zahlt sich aber aus. Denn es ist weitaus cooler mit 40 ein eigenes Haus zu besitzen, als mit 15 ein Moped geschenkt zu bekommen. Hier könnt ihr euch den Clip ansehen.

Und ja, der Bausparvertrag ist super konservativ und vermutlich auch der Inbegriff des deutschen Sparens. Bausparen gilt als sicher und führt dich zu den eigenen vier Wänden, was wiederum das größte Ziel eines jeden Sparers in Deutschland zu sein scheint. Denn ein Haus, das bleibt für immer! Also vermutlich.

In Deutschland sind aktuell über 30 Millionen Bausparverträge abgeschlossen mit einem Gesamtvolumen von 850 Mrd. Euro. Das ist das Dreifache dessen, was deutsche Anleger in Form von Aktien halten. Ich war wirklich erstaunt! Der Bausparvertrag scheint unanfechtbar, wenn es um Geldanlage geht. Aber er bekommt mehr und mehr Gegenwind. Nicht nur die Verbraucherzentralen kritisieren zunehmend das Modell, einige Finanzexperten zeichnen bereits das Ende des Bausparens ab. Denn die Anzahl der Neuabschlüsse für Bausparverträge sinkt zunehmend: Im Jahr 2016 planten nur noch 2,2 Millionen Menschen einen Bausparvertrag abzuschließen. Vor fünf Jahre waren es noch über 3 Millionen.

Schauen wir uns doch einfach mal an, wie so ein Bausparvertrag eigentlich funktioniert.

Du planst also ein Eigenheim (Haus oder Eigentumswohnung) zu kaufen und/oder zu renovieren. Du weißt, was das ungefähr kosten wird und schließt einen Bausparvertrag auf die kalkulierte Summe ab. Der Bausparvertrag läuft jetzt in zwei Phasen ab. In der ersten Phase, die meistens so rund 8 Jahre dauert, sparst du 40-50 % der kalkulierten Gesamtsumme selbständig an. Dazu zahlst du jeden Monat einen zum Vertragsabschluss festgelegten Betrag auf dein Bausparkonto ein. Nach der „Ansparphase“ erhältst du die andere Hälfte als Kredit von deiner Vertragsbank und kannst jetzt also dein Haus kaufen. Du hast sozusagen knapp die Hälfte selbstfinanziert und den Rest zahlst du über die nächsten 10 bis 12 Jahre ab.

Das besondere am Bausparvertrag ist, dass die Zinssätze für Anspar- und Kreditphase mit Vertragsschluss festgelegt werden. Das bedeutet, du legst jetzt schon fest, welche Zinsen du 2024 zahlst, wenn du heute ein Bausparvertrag abschließt. Das klingt im Jahr 2016 besonders attraktiv, weil die Zinsen so niedrig sind wie nie zuvor. Aktuell bekommt man Kredite zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 2,5 %, während der Durchschnittszins in den letzten Jahrzehnten noch bei 6,5 % lag. Wenn die Zinsen in den nächsten Jahren steigen würden, hättest du also ein gutes Geschäft gemacht, weil dein Kredit so billig ist.

Jetzt fragst du dich bestimmt, warum der Bausparvertrag kritisiert wird, wenn man doch davon ausgehen kann, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen müssten? Drei Gedanken will ich dazu mit dir teilen.

Punkt 1: Verzinsung in der Ansparphase
Zurzeit bekommt man als Bausparer eine maximale Verzinsung 0,5 % auf die Spareinlage. Das ist faktisch weniger als die durchschnittlichen Verzinsung eines Tagesgeldkontos. Wenn es dir rein um das Ansparen von Geld geht, gibt es somit bessere Alternativen zum Bausparvertrag.

Punkt 2: Die Gebühren
Die ersten paar Raten, die du monatlich auf dein Bausparkonto einzahlst, gehen direkt an die Bank. Erst wenn die Gebühren in Höhe von 1 - 1,6 % der Vertragssumme bezahlt sind, fängst du wirklich an zu sparen. Willst du also 100.000 € (Vertragssumme) erhalten, zahlst du mindestens 1.000 € an Gebühren. Bei einer Ansparzeit von 8 Jahren und einer Verzinsung von max. 0,5 % ist das schon fast die Hälfte der Zinsen, die du in dieser Zeit auf dein Sparguthaben bekommen kannst.

Punkt 3: Festgesetzter Verwendungszweck
Wenn du einen Bausparvertrag abschließt, solltest du dir absolut sicher sein, dass du auf ein Eigenheim sparen willst. Denn mit der Ansparphase qualifizierst du dich für einen Baukredit, den du ausschließlich für ein Bauvorhaben einsetzen darfst. Beispiel: Sagen wir mal, du willst dich selbständig machen, hast einen Bausparvertrag auf 100.000 € abgeschlossen und brauchst 100.000 € Kapital für deine Gründung. Selbst wenn du die Ansparzeit abgeschlossen hast, wirst du den Kredit, den die Bank dir jetzt geben würde, nicht für dein Unternehmen einsetzen dürfen. Wenn du also ein anderes Ziel hast als ein Eigenheim, solltest du nach einer alternativen Sparmöglichkeit zu besseren Konditionen gucken. Hättest du das gleiche Geld, dass du im Bausparvertrag eingezahlt hast, auf ein Tagesgeldkonto gepackt, hättest du jetzt wegen der Verzinsung mehr Rendite und könntest mit dem Eigenkapital bei einer Bank ein Darlehen beantragen.

Du siehst schon, der Bausparvertrag hat auch Nachteile. Besonders im Moment, wenn die Zinsen für stinknormale Hypothekenkredite nicht weit von den Zinsen von Baukrediten entfernt sind. Allerdings kannst du diese Zinsen zum jetzigen Zeitpunkt nicht für die Zukunft reservieren und damit kommen wir zur Definition, was ein Bausparvertrag eigentlich macht:

Du wettest mit einem Bausparvertrag darauf, dass die Zinsen in Zukunft steigen und du jetzt einen Vertrag zu besseren Konditionen abschließt, als du es in ca. 8 Jahren kannst. Grob gesagt, wenn die Zinsen für Kredite in den nächsten Jahren um ca. 2 % steigen würden, würde sich ein Bausparvertrag lohnen. Alles was darunter liegt, macht die Option von Tagesgeldkonto mit anschließendem Hypothekenkredit attraktiver.
Natürlich kannst du auch statt Geld auf ein Tagesgeldkonto zu packen, einen ETF-Sparplan nutzen. Damit gehst du allerdings mehr Risiko ein, kriegst aber auch eine bessere Verzinsung.

Wie bereits oben erwähnt, befinden wir uns in einem Allzeittief der Zinsen. Andererseits zeigt das Beispiel von Ländern wie Japan, dass solche Niedrigzinsphasen auch zur Normalität werden können.
Niemand kann letztendlich vorhersagen, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Mein Tipp: Nimm dir ausreichend Zeit für deine Entscheidung. Wäge ab, wie wichtig dir Flexibilität gegenüber Sicherheit ist. Wenn du einen Bausparvertrag abschließt, stelle sicher, dass du seine Wirkungsweise und ja, auch das Kleingedruckte verstanden hast. Wenn du dann die Alternativen abgewogen hast und dich immer noch wohl fühlst, auf ein Eigenheim anzusparen, ist es sicher nicht die schlechteste Entscheidung.

Liebe Grüße,
dein William.