Ich mag meinen Bart und ich mag die glatten Beine meiner Freundin. Beides benötigt zur Freude aller Beteiligten intensive Pflege. Jeden zweiten oder dritten Tag shampooniere ich meine Haarpracht unterhalb der Augen in zarten, massierenden Bewegungen. Ich checke die Konturen und rasiere sie bei Bedarf nach. Da bin ich eitel. Anschließend noch einölen und bürsten und ich bin bereit für jedes Abenteuer. Mein Bart ist ein penibel gepflegtes Schild meiner zarten Wangenknochen gegen Wind und Wetter. Und meine Freundin wird ihre glatten Beine auch pflegen müssen, oder? Aber ich habe nie einen Lady-Rasierer in unserem Badezimmer gesehen, wie macht sie das also? Nein, nicht wirklich, oder? Ich war aufgebracht, stellte sie zur Rede: “Schatz, hast du eigentlich einen eigenen Rasierer?” Sie verneinte und gab mir eine absolut logische Antwort warum.

Sie verglich die Einwegrasierer der Hausmarke einer bekannten deutschen Drogeriekette. Das Exemplar für Männer kostet 0,14 € und für Frauen 0,17 €. Das sind also 17 % mehr für die Frauen-Variante, obwohl sie sich lediglich in der Farbe unterscheiden (beide mit zwei Klingen). Bei Markenprodukten kann der Unterschied noch viel gravierender ausfallen. Das gleiche gilt für Rasierschaum (100 ml) der verglichenen Hausmarke: Männer zahlen 0,70 €, Frauen 0,93 €. Hier sind es sogar 33 % Unterschied. Das finde ich schon erstaunlich. In den USA wird dieses Phänomen, dass Frauen systematisch mehr für bestimmte Produkte zahlen, Pink Tax genannt. Und das fängt schon im Kindesalter an.

Kinderspielzeug für Mädchen kostet im Schnitt 8 % mehr als für Jungen, ebenso verhält es sich mit Klamotten. Das finde ich schon krass. Frauen zahlen im Schnitt 13 % mehr für equivalente Kosmetikprodukte gegenüber Männern. Dass das überhaupt möglich ist, liegt natürlich an der höheren Nachfrage von Frauen nach eben diesen Produkten. Das verschafft den Herstellern großen Gestaltungsspielraum in den Preisen von Kosmetikprodukten, da Frauen nicht so preissensibel auf das Angebot reagieren, wie eben Männer. Und das obwohl der einzige Unterschied oft nur die pinke Verpackung ist. Auch wenn es sich im ersten Moment nur nach Cent-Beträgen anhört, läppert sich das über die Zeit ganz gut. So bleibt die systematische Diskriminierung bestehen, nur damit sich der zart-rosane Rasierer gut in das Ambiente der Badezimmereinrichtung integriert? Das muss nicht sein, schließlich gibt es Schranktüren, hinter der man die blauen Rasierer verstecken kann. Und so schaffst du zusätzlich Platz für eine weitere Kerze auf der Waschbeckenablage. Jetzt ist es noch romantischer im Bad und du sparst auch noch Geld.

Ich bin stolz auf meine Freundin, weil sie schlau ist und sich nicht blenden lässt. Und ja ich nehme es hin, dass sie meinen Rasierer benutzt. Ihre Argumente haben mich überzeugt.

Dein William.
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