Es ist schon fast ein Glaubenskrieg zwischen den Anhängern der beiden Managementstrategien. Aber was genau bedeutet eigentlich aktiv bzw. passiv gemanagt im Bezug auf Geldanlage? Und warum kostet das eine mehr als das andere? Lass es uns herausfinden.

Schon in meinem Beitrag über ETFs habe ich den Begriff passives Management gebraucht, um das Funktionsprinzip eines Sparplans zu erklären. Dieses Mal will ich dir beide Managementstrategien an einem nachvollziehbaren Szenario erklären.

Ich möchte dir dazu kurz James Toros vorstellen. Toros ist mittlerweile 50 Jahre alt, seit 25 Jahren Fondsmanager und verwaltet das Vermögen einiger wohlhabender Leute sowie einen Pensionsfonds. Seine Aufgabe ist es, das angelegte Geld durch schlaue Investitionen zu vermehren. Dazu kauft er mit dem Geld der reichen Leute und dem Pensionsfonds Wertpapiere (Aktien und Anleihen) an der Börse, um sie letztendlich zum richtigen Zeitpunkt gewinnbringend wieder zu verkaufen. Seine Kunden vertrauen ihm, schließlich hat er 25 Jahre für eine renommierte Bank gearbeitet und täglich Aktien- und Anleihepreise analysiert. Also wenn jemand wissen sollte, wie das mit Aktien und Anleihen funktioniert, dann ist das wohl Toros. Insgesamt verwalten er und sein Team ein Gesamtvermögen von 800 Millionen Euro. Das Teamziel ist eindeutig: Mehr aus dem Geld der Anleger zu machen.

Deshalb investiert er das ihm anvertraute Geld vor allem in deutsche Unternehmen, denn hier kennt er sich aus. Er kauft Aktien von Siemens, Daimler, Lufthansa und ThyssenKrupp. Wenn er glaubt, dass sich der Kurs der einzelnen Unternehmen nicht positiv weiterentwickelt, verkauft er diese und investiert das Geld in Aktien eines anderen Unternehmens, das ertragreicher scheint. Die nötigen Informationen für seine Entscheidungen erhält er von seinem Team, dass die ganze Zeit damit beschäftigt ist, die Wertentwicklungen zu beobachten und zu bewerten. James Toros und sein Team betreiben aktives Management mit dem Geld der Anleger. Sie treffen die Entscheidung aufgrund ihres Expertenwissens und lassen sich diese Leistung natürlich entlohnen. Im Schnitt kostet das aktive Management 2 % des angelegten Geldes pro Jahr. Das heißt auch, dass nur wenn die Rendite des angelegten Geldes über 2 % liegt, die Anleger von Toros Anlagestrategie profitieren. Erzielt Toros eine Gesamtrendite von 6 %, bleiben den Anlegern nur 4 % über.

Jetzt gibt es aber nicht nur J. Toros sondern tausende weitere Fondsmanager, die alle glauben, bessere Informationen über die Kursentwicklung zu haben als die anderen. Alle kaufen und verkaufen ihre Aktien zu unterschiedlichen Zeitpunkten, was letztendlich die Kursentwicklung beeinflusst. Denn die Summe aller Verkäufe und Käufe einer Aktie bestimmt den Preis. Nehmen wir den Deutschen Aktienindex (DAX) als Beispiel. Der DAX vereint die 30 größten deutschen Unternehmen, deren Anteile an der Börse gehandelt werden. Werden mehr Aktien dieser Unternehmen gekauft als verkauft, steigt der DAX. Wird mehr verkauft als gekauft, sinkt der Kurs.

In den letzten 30 Jahren brachte der DAX eine durchschnittliche Jahresrendite von 9 %. Das heißt, Fondsmanager wie James Toros haben im Durchschnitt ebenfalls eine Rendite von 9 % pro Jahr erzielt. Allerdings gehen davon noch die Gebühren ab, wodurch die Rendite eher bei 7 % liegt. Dadurch schaffen es jedes Jahr auch nur knapp 20 % der Fondsmanager eine höhere Rendite als die tatsächliche Durchschnittsrendite zu erwirtschaften. James Toros hat das natürlich schon mal geschafft, aber nie mehrere Jahre in Folge. Das schafft vielleicht einer von Hundert Fondsmanagern und niemand kann vorher wissen, wer das sein wird.

Es gibt aber noch eine Alternative zu Toros aktiven Strategie und zwar die passive Anlagestrategie. Dabei investiert der Anleger direkt in einen Fonds, der den DAX oder eben einen anderen Markt widerspiegelt. James Toros ist dafür nicht notwendig, da der Fonds sich konsequent am Anteil der Unternehmen im DAX orientiert. Das heißt, er ist genauso gewichtet, wie die einzelnen Unternehmen am Markt wirtschaften. Dadurch kann man diese Anlageprodukte viel günstiger anbieten, da kaum noch Menschen notwendig sind, weil keine Entscheidungen durch Manager getroffen werden müssen. Das führt dazu, dass die Jahresgebühren mit ca. 0,3 % pro Jahr viel geringer ausfallen als bei Toros. Alle Anleger, die sich für eine passiv gemanagte Anlagestrategie in den DAX entschlossen haben, haben in den letzten 30 Jahren durchschnittlich 8,7 % Rendite bekommen. Und trotzdem vertrauen immer noch viele Menschen James Toros und seinen Kollegen ihr Geld an. Und das obwohl 80 % der passiven Anlageprodukte besser performen als aktive gemanagte Fonds. Vermutlich packen die Jungs von Toros & Co. eine Menge Cash in Werbung, um Kunden zu gewinnen. Ein anderes Argument gibt es irgendwie nicht.

Ich selbst lege mein Geld passiv an. Nobelpreisträger wie Eugene Fama oder Harry Markowitz, sowie die meisten Finanzwissenschaftler, raten zu einer passiven Anlagestrategie.

Liebe Grüße,
dein William